vorbei 07/06/2008
 

seit einer woche bin ich nun also wieder zu hause. die ist wie üblich schnell vergangen. montag absolvierte ich erst ein bewerbungsgespräch und dann erledigte ich noch ein paar administrative dinge wie ein neues handy besorgen. seit dienstag bin ich praktikantin in der verwaltung des bundestages. werde zwar nicht bezahlt, kann aber zumindest nicht sagen, dass ich mich langweile. den kopierer habe ich am freitag auch schon kaputt gemacht. nun ja. mir bleibt also nicht viel zeit traurig zu sein, auch wenn ich den obligatorischen depressiven moment schon hatte.
fazit ziehen fällt schwer. ich hab wahnsinnig viele nette leute kennen gelernt, mit denen ich hoffentlich noch lange kontakt halten werde. ich habe ein jahr lang in einer europäischen großstadt mit all ihren sonnen- und schattenseiten gelebt. ich bin ein jahr studentin an einer sogenannten eliteuni gewesen, nur um festzustellen, dass die dort auch nur mit wassser kochen. gelernt habe ich viel; fachlich, menschlich, über mich. ich bereue nichts, auch wenn ich im nachhinein bestimmt einige sachen anders machen würde. aber egal. ich denke gern an die zeit zurück und kann jedem nur nahe legen, ins ausland zu gehen, sollte sich ihm die möglichkeit bieten. ich bin jetzt aber auch froh wieder in berlin zu sein, wo ich mir mehr als ein bier am abend leisten kann und mein budget noch nicht zu überstrapaziert ist. ich bin froh wieder bei freund, freunden und familie zu sein. ich habe unglaublich viele pläne und hoffe doch viele davon umsetzen zu können.
und somit neigt sich auch dieser blog seinem ende zu, da seine daseinsberechtigung quasi nicht mehr existiert. hat spaß gemacht. und wird mir auch fehlen.

 
 

heute morgen habe ich meine letzte klausur geschrieben. das waren die definitiv letzten momente an sciences po. zum abschluss hab ich dann noch ein paar fotos gemacht und schließlich die heiligen hallen bis auf weiteres verlassen. die klausur lief irgendwie. hatte eher nicht so viel zeit ins lernen investiert, da wir gestern abend chiara verabschiedet haben. waren japanisch essen, lang und viel.

die uni kam in der letzten woche sowieso ein bisschen kurz. war viel unterwegs. samstag war fête de la musique und man merkt schon, dass das ne französische erfindung ist. hier ist man tatsächlich an jeder straßenecke über ne band gestolpert. sehr schön. sonntag gabs ja dann das viertelfinale spanien-italien und aus lauter solidarität mit william und co. feuerten wir nun also italien an. bekanntlich ist das spiel ja nicht so glücklich für italien aus und die stimmung war etwas gedrückt. wir sind dann noch was trinken gegangen und feierten so in den geburtstag von nicolas rein. montag hatte ich dann mein letztes diner de conférence mit meinem europaseminar. wir trafen uns zum picknick im jardin du luxembourg. da jeder das mitbrachte, was er dachte, gab es vor allem chips, kuchen und wein. lustig war es allemal. nur wurden wir gegen halb zehn dann von der polizei aus dem park gepfiffen, weil die öffentlichen gärten hier um zehn schließen. wir gingen dann also in die nebenan gelegene wohnung unseres klassensprechers. ich verabschiedete mich alsbald um die anderen auf der pont des arts zu treffen, um diesmal noch mal richtig mit nicolas zu feiern. dienstag war ich dann mal zu hause und versuchte ein bisschen für meine libanon-/nahostklausur am mittwoch zu lernen. irgendwie wird das schon geklappt haben. mittwoch bekam ich dann auch noch mal meine noten vom ersten semester, die ich nun endlich in potsdam einreichen kann. noch eine anekdote zum thema sciences po administration: wir bekamen am montag eine e-mail von wegen unsere noten wären ende juli fertig und wenn wir nicht mehr hier seien, sollen wir doch bitte einen frankierten, adressierten briefumschlag im sekretariat abgeben. interessanterweise ist selbiges aber die ganze woche geschlossen! und an der tür klebt jetzt ein zettel mit dem hinweis, wir sollen die umschläge bitte unter der tür durchschieben....ich bin ja sehr skeptisch ob das alles klappen wird. mittwoch abend fieberten wir dann wieder alle im café oz mit der deutschen mannschaft und ärgerten uns doch sehr ob des übertragungsausfalls. aber im französischen fernsehen wars wohl noch schlimmer als im zdf. es gab keine telefonübertragung à la bela rethy sondern einen blauen bildschirm und anschließend archivbilder. das letzte tor der deutschen entging dem französischen publikum ebenfalls. uns störte das nicht und nachdem wir wieder auf den tischen tanzten, klang der abend wieder auf der pont des arts, der einzigen reinen fußgängerbrücke über die seine, aus. francesco ist auch für ein paar tage zu besuch und das ist sehr schön. zur erinnerung: ein sehr netter mensch aus bologna, der das erste semester mit uns an der sciences po verbracht hat...

und jetzt breche ich zu meinem abschiedsessen im vesuvio auf. morgen schließe ich dann mein bankkonto und widme mich meinem zahlreichen gepäck. abends gibts dann noch ein essen mit lise und dann noch einmal schlafen und dann...

 
 

war vorhin das vermutlich letzte mal im louvre. wollte noch einmal meine lieblingsbilder und -säle anschauen bzw. auf fotos festhalten. hätte wohl auch ganz gut geklappt, wenn der akku der kamera bis zum ende durchgehalten hätte. nun ja. ist vielleicht ein zeichen, dass ich noch mal wiederkommen soll.

gestern haben wir uns ja bekanntlich von den portugiesen verabschiedet. was ein aufregendes spiel. die deutschen haben in paris die nacht zum tag gemacht und ordentlich gefeiert. geschaut haben wir das spiel im café oz in châtelet. da haben wir schon die anderen spiele geschaut. allerdings war es bisher immer kostenlos, gestern wollten sie 10 (!) euro eintritt haben. allerdings gabs zwei freitgetränke. in anbetracht dessen, dass es woanders auch nicht besser gewesen wäre, bissen wir halt in den sauren apfel. wir hatten das frankreich-italien spiel in einer bar im quartier latin geschaut, aber trotz lauten protests der gäste, weigerte sich die bar beharrlich den ton anzustellen, sodass wir shania twain und den rolling stones lauschten, während henry und co uns zu mitleid veranlassten. so richtige stimmung kam nicht auf. erstaunlicherweise blieb es zwischen franzosen und italienern ruhig. nachdem sich die niederlage abzeichnete, schauten die französischen anhänger tiefer ins glas und übten sich in zynismus. einige verließen nach dem 2:0 aber auch einfach die bars. und zwischendurch traf man immer mal wieder aufgedrehte holländische fans, die ein wenig orange in die stadt brachten. seitdem spekulieren alle über die zukunft domenechs. vermutlich wird er nicht mehr lange trainer sein, aber sicher estelle denis heiraten. der antrag kam ja unmittelbar nach der niederlage während sie (übrigens eine sehr kompetente sportjournalistin) live auf sendung war. zurück zum café oz: eine leicht surreale situation. wir befinden uns mitten in paris, in einer australischen bar, wo die kellner auch nur englisch sprechen, feuern deutschland an und zur krönung zeigen sie auch noch die deutschen übertragungen von wahlweise zdf oder ard. übrigens, meine concierge sind portugiesen. zubeginn der em hatten sie stolz eine portugiesische fahne ins fenster gehangen. die ist jetzt weg. ich werde vermutlich bis montag warten um nach der post fragen zu gehen...

am mittwoch hatte ich meinen letzten unterrichtstag an der sciences po. sehr seltsam. langsam sickert die erkenntnis durch, dass das hier in etwas mehr als einer woche alles vorbei ist. ich habe mich von den ersten verabschiedet, sehr komisch. was soll man sich auch sagen? wir hatten in unserem sozialismusseminar noch zwei hochkarätige gäste zu fragestunde. am dienstag henry weber, momentan EP-Abgeordneter, der zum thema "que reste-t-il du marxisme?" sprach und am mittwoch pierre moscovici zum thema sozialisten und europa. interessant. am sonntag davor hatte ich endlich meinen spaziergang durch das revolutionäre paris. jetzt weiß ich wo marat im bad erstochen wurde und unter welchen bedingungen marie antoinette in der conciergerie eingesperrt war. ich hab auch eine guillotine gesehen! in einer bar im quartier latin, die sinnigerweise auch noch "la guillotine" heißt, kann man noch ein original aus dem 19. jahrhundert sehen. wir sind auch am ehemaligen wohnhaus von docteur guillotin vorbeigekommen, wo mein prof darüber referierte, inwiefern die guillotine zu zeiten ihrer erfindung als technischer fortschritt, da deutlich effektiver und dadurch "humaner" (klingt in dem zusammenhang sehr zynisch, ich weiß) war. ausklingen tat der abend in der wohnung unserer klassensprecherin aude unweit der champs élysées wo wir noch die ausstehenden referate zu hören bekamen. 10 stück, das schlauchte sehr.

morgen ist fête de la musique und glaubt man dem programm und den einheimischen, stolpert man hier quasi an jeder straßenecke über die verschiedensten bands. sonntag gehen wir dann aus solidarität mit unseren bekanntschaften italien anfeuern. zwischendurch muss ich noch nen bisschen lernen, weil mittwoch und freitag klausuren anstehen, und mich um meine letzten papiere kümmern. die zeit rast schon wieder förmlich davon...

 
so. 06/07/2008
 

habe vorhin am bahnhof montparnasse mein zugticket für die endgültige heimkehr nach berlin gekauft. jetzt ist der abschied also amtlich. am 29.06. hat mich die heimat wieder. noch drei wochen. melancholie machte sich ein wenig breit.

ist schon wieder eine menge passiert. zuerst der besuch von laurent fabius. die erste halbe stunde sprach er zum thema "comment gouverner à gauche", die restlichen 90 minuten verbrachte er damit unsere fragen zu beantworten. man merkte, dass er schon lange im geschäft ist. eine antwort nahm locker 10 bis 15 minuten in anspruch. rhetorisch gewandt ist er durchaus, aber er kann einen schon schwindelig quatschen. das hielt uns aber nicht davon nach den gründen für das sozialistische fiasko bei der präsidentschafts- und dann später bei der parlamentswahl zu fragen. ich hab ihn auch was gefragt, allerdings nicht warum er 2005 gegen die eu-verfassung gestimmt hat. sondern, was seiner meinung nach das rezept sei, um die linke 2012 als sieger zu sehen und ob heute ein charismatischer, telegener, wortgewandter kandidat nicht vielleicht wichtiger sei als ein wahnsinnig gut durchdachtes parteiprogramm. eindeutig hat er sich nicht geäußert, aber mehr oder minder eingeräumt, dass ségolène royal vielleicht nicht die beste kandidatin war. um dann aber hinterher zu schieben, dass der kandidat allein es auch nicht macht, weil sonst könnte man ja auch Yannick Noah fragen, ob er den job nicht machen wolle, schließlich sei er ja der beliebteste franzose....nun ja, warum eigentlich nicht?!

letztes wochenende war ich anlässlich der jugendweihe meiner kleinen schwester in berlin. familie wieder sehen, sich schick anziehen und viel essen bzw. trinken war sehr schön. die feier im friedrichpalast auch. das ärzte-konzert in der ausverkauften wuhlheide sowieso. vor allem genoss ich das sommerliche wetter. hier regnets und ist den ganzen tag grau, das alles bei nicht mehr als 18 grad. dann kann man wenigstens effektiv arbeiten und muss nicht bei wein an der seine sitzen, wer würde das schon wollen?! hab gestern meine revolutionshausarbeit abgegeben, die nacht davor war sehr kurz. jetzt sitze ich überm libanon. ist aber gar nicht so einfach sich zu konzentrieren, wo doch noch roland-garros läuft - gestern gabs public viewing auf dem rathausplatz anlässlich des halbfinals monfils vs. federer, ich saß vorm fernseher- und ab heute ist endlich EM! juchu! und morgen spielen wir bzw. die herren ballack und co. jonas wurde von nem polnischen mädel eingeladen, das spiel bei ihr zu schauen und er solle doch bitte so viele deutsche wie möglich mitbringen....mal sehen. und ab montag greifen dann les bleus ins geschehen ein, mal gucken wie weit sie kommen....:-) freue mich jedenfalls sehr drauf.

ach ja, noch was: habe am mittwoch meine schwedische freunding maja nach 4 jahren wiedergesehen. auch eine afs-freundin aus poitiers damals. sie ist grad mit ihrer besten freundin drei wochen mit interrail durch europa unterwegs und hat einen zwischenstopp in paris eingelegt. über poitiers wollten sie jetzt am wochenende nach zürich fahren, schweden anfeuern und atmosphäre genießen. ich bin etwas neidisch. ich will auch in den urlaub.

 
politisches 05/25/2008
 

am freitag hatten wir elisabeth guigou zu besuch in meinem frankreich-eu seminar. guigou ist heute abgeordnete in der nationalversammlung und prof an sciences po, hat sich aber vor allem in die geschichtsbücher, zumindest die französischen, eingetragen, als enge vertraute mitterrands und verhandlungsführeriin frankreichs rund um den vertrag von maastricht. leider kam sie zu spät, weil ihr taxi im stau stand, sodass wir nur noch 40 min mit ihr hatten. interessant wars trotzdem, zumal sie sich auch nicht scheute etwas aus dem nähkästchen zu plaudern.

gestern stand die exkursion durch das "rote paris"auf dem programm. los gings am friedhof pere lachaise mit einer zeremonie zum andenken an die pariser kommune. unser kurs hat den altersdurchschnitt vermutlich gesenkt. ich habe vor allem viel beobachtet und gestaunt. versammelt waren anhänger der kommunisten sowie der sozialisten, der verein "les amis de la commune de paris", eine anarchistische vereinigung und ansonsten viele anhänger und schaulustige. rote nelken wurden verkauft, ich bekam eine geschenkt und es regnete erbärmlich. es gab viele rote und schwarze fahnen zu sehen und auch einige vertreter der stadt mit trikoloreschärpen ließen sich blicken. diese interessante menschenmischung bewegte sich dann in richtung friedhofsmauer, wo 1871 die letzten kommunarden erschossen wurden und heute eine gedenktafel hängt. reden wurden gehalten, wobei vor allem mit sarkozy abgerechnet wurde und anschließend wurde gesungen. zum refrain der internationalen gingen die fäuste in die höhe und der gesang wurde auch deutlich lauter. irgendwie war es faszinierend dabei zu sein, aber auf der anderen seite auch ein wenig unheimlich zu sehen, welche dynamik allein durch singen ausgelöst wird. und dazu 200 fäuste in der höhe....

anschließend ging es mit unserem kurs zum place de la république, wo wir prompt in die nächste demonstration stolperten. diesmal protestierten eltern, schüler und lehrer gegen die bildungspolitik und den angekündigten abbau von 10.000 stellen zu beginn des nächsten schuljahres. nicht einmal der regen konnte sie in ihrem elan dämpfen. wir wandelten weiter auf den spuren der kommune und sahen unter anderem die stelle, an der die letzte barrikade stand. ausklingen tat der spaziergang dann in einem café in belleville, in welchem der prof champagner für alle springen ließ! er sagte, der sozialistische gedanke sei der des trinkens und zusammenseins und weniger der des getränks...nun ja, anschließend ging ich nach hause, gerade noch pünktlich zum beginn des esc. wo deutschland mal wieder letzter geworden ist, zumindest was die punktzahl angeht. da wir einmal 12 punkte aus bulgarien bekommen haben, dürfen wir uns nun stolz 23. nennen. da halfen nicht einmal meine sms für deutschland. zum ersten mal in meinem leben habe ich abgestimmt. und es gab dankessms zurück, welch ein service.

die exkursion durch das revolutionäre paris ist auf ein andermal verschoben worden. also kann ich heute bequem den ersten tag roland garros verfolgen bzw. an meiner revolutions-hausarbeit basteln. und mich für donnerstag vorbereiten. da kommt nämlich laurent fabius ins sozialismusseminar. mal sehen, ob ich mich traue ihn zu fragen wieso er 2005 gegen die eu-verfassung gestimmt hat...

 
 

sonntag ist die glühbirne im schlafzimmer durchgebrannt. also war ich gestern bei monoprix, um eine neue zu kaufen. war nicht ganz so einfach sich in diesem großen angebot zurecht zu finden, aber letztlich klappte es doch. an der kasse dann ein erlebnis wie es wohl nur in frankreich passieren kann. vor mir in der reihe stand ein älteres pärchen und nachdem idie milch und die croissants über den scanner gezogen waren, tauchten zwei preise auf dem display auf. wie sonst auch immer. einmal in euro und einmal in francs. die frau fragte nach, welcher der beiden preise denn nun der sei, den sie bezahlen müsse. die kassiererin antwortete, bei monoprix scheinen sie in englischkurse für die mitarbeiter investiert zu haben, und erklärte den sachverhalt. man kann zwar hier nicht mehr mit francs bezahlen, aber die franzosen hängen vermutlich noch mehr an ihrer alten währung als die deutschen an der mark. das pärchen, touristen aus schweden, wunderte sich ein bisschen, lächelte und ging schließlich. das komischste aber war, dass die kassierin dann zu mir, ich stand schließlich als nächstes in der schlange, sagte: "es ist so lustig, dass sich die ausländischen touristen immer darüber wundern, dass wir noch die umrechnung in francs dazu schreiben." ich lächelte nur und klärte sie nicht auf, dass ich in gewisser weise auch zu dieser spezies gehöre und mich auch jedes mal wieder wundere bzw. ich mich immer erst mal freue, wenn ich meine kontoauszüge bekomme, weil die erste spalte in francs ist und die ernüchterung dann beim blick auf die euro-spalte einsetzt. der umrechnungskurs liegt bei etwa 1:6....

 
05/18/2008
 

wie schaffe ich das bloß immer wieder? ich habe das gefühl nicht zu faulenzen sondern kontinuierlich zu arbeiten und trotzdem droht mich der aufgabenberg schon wieder zu erschlagen. es stehen an: mittwoch referat über die lissabon strategie, freitag ein referat über die devise der französischen revolution liberté, égalité, fraternité, samstag exkursion durch das sozialistische paris, sonntag eine durch das revolutionäre paris, bis donnerstag dann eine hausarbeit über die ursprünge der französischen und der amerikanischen revolution, dann jugendweihe meiner schwester, am 2. juni ne presseschau und ne hausarbeit über die un mission im libanon bzw. vielmehr ein vergleich der ursprünglichen mission und der seit sommer 2006. ach ja, und bis nächsten dienstag muss ich noch nen märchen für den französischkurs schreiben.

ich bin nur noch 6 wochen hier und lerne immer mehr ganz nette menschen kennen, mit denen ich leider nicht so viel zeit verbringen kann wie ich es manchmal gerne möchte. aber wir schmieden schon fleißig pläne was das champions league finale, den grand prix und schließlich die em angeht....darauf freu ich mich. das ist momentan der einzige lichtblick....

 
 

seit einer knappen halben stunde habe ich nicht mehr geburtstag. der tag ist wie jedes jahr viel zu schnell herum gegangen, aber er war auch dieses jahr sehr schön. vielen vielen dank für all die glückwünsche jedweder art. es hat mich sehr gefreut und gerührt und mir gezeigt, dass ich trotz geographischer entfernung nicht vergessen bin. vielen dank. ganz ehrlich.

ich komme gerade von meiner geburtstagsfeier zurück. stattgefunden hat das fest in einer kleinen hübschen crêperie in vincennes, im besitz von cousins meiner freundin helena. anwesend waren benjamin, benno, paul, anna, helena, william, chiara, julius und daniele; immerhin zwei franzosen *g* leckeres essen, zu dem ich auch noch eingeladen wurde und auf meinem dessert brannte sogar eine kerze...dieser abend ist der schlusspunkt einer aufregenden woche. diese begann letzten samstag mit der ankunft sternis in paris und wie üblich einer erkältung meinerseits. kaum sind die ferien um, bin ich auch wieder kerngesund. nun ja, die bazillenschleuderei hielt mich nicht davon ab, dem besuch aus berlin die haupstadt auf der anderen seite des rheins zu zeigen. wir sind viel gelaufen, unter anderem auch auf den eiffelturm. meine höhenangst machte sich bemerkbar, aber der blick von oben entschädigte für vieles. ansonsten waren wir noch im louvre und im centre pompidou, sowie den recht beeindruckenden katakomben. überhaupt könnte man meinen, wir wären sehr morbide, da wir auch viel zeit auf den drei großen friedhöfen montparnasse, montmartre und père lachaise verbrachten....ist aber nicht so, es wurde viel gelacht und das phrasenschwein kräftig gefüttert. und es wurde vor allem viel geredet, über alles und nichts und gott und die welt. das war sehr sehr schön und ich hoffe, dass wir das in berlin wiederholen können.

am mittwoch stieg sterni dann wieder ins flugzeug und meine mama kam hier an. ich holte sie ab, wir gingen nach hause und nach einer kurzen pause brachen wir richtung moulin rouge auf. wir wollten unser glück versuchen. der pförtner sagte uns bis mittwoch sei alles ausverkauft und so zogen wir unverrichteter dinge wieder ab und flanierten über den place du tertre. meine mama meinte anschließend, wir könnten es ja noch mal versuchen an der roten mühle und siehe da, ein anderer pförtner sagte, wir sollten in einer halben stunde noch mal wiederkommen und schlussendlich bekamen wir noch zwei karten, eine flasche champagner inklusive. die karten waren weder günstig noch besonders teuer, ist quasi mein geburtstagsgeschenk. die show war schon beeindruckend, vor allem die kostüme. vor allem wurde sie stetig besser, denn am anfang waren die tänzer noch furchtbar unsynchron und schienen nur wenig motiviert. schließlich müssen die drei shows am abend absolvieren. nun ja, es wurde wie gesagt besser und vor allem die beiden russischen akrobaten ließen einen den atem anhalten. der bauchredner sowie der einradfahrer waren auch nicht schlecht und die tänzer boten am ende auch anlass zu szenenapplaus. nur hätten sie sich die schlangenummer sparen können...ein gelungener abend. fotos gibt es leider nicht, da ich die kamera mit dem mantel an der garderobe abgeben musste. sonst gab es viel kultur und gespräch und kaffee. wir waren in versailles und in giverny, dem ort, wo monet seine seerosen gemalt hat. ein wunderschöner garten in einer malerischen landschaft gelegen und traumhaftes wetter gab es auch noch. nur war die anreise etwas beschwerlich, da dort nur alle jubeljahre mal ein zug hinfährt und ich demnach am samstag um 6 (!) aus den federn musste. versailles war eine enttäuschung aufgrund der unheimlich schlechten organisation, aber tif - this is france. es gab unglaublich lange schlangen und wir drängelten uns schon zum schlangenende vor und mussten trotzdem noch eine knappe stunde warten und uns gegen eine aufgebrachte italienische reisegruppe verteidigen, in deren mitte wir uns gedrängt hatten...nun ja. gestern waren wir tatsächlich in drei museen: musée de camondo, musée carnavalet und centre pompidou. anschließend tranken wir noch ein glas wein im quartier latin unweit der place st. michel. heute früh musste ich ja um halb sechs aus den federn, um meine werte mama zum flughafen zum bringen. wir checkten den schweren koffer ein - ich hab ihr meine ganzen winterklamotten mitgegeben, 20 kilo! - und stießen noch mit einem glas sekt an bevor wir uns tränenreich verabschiedeten.

und jetzt bin ich zweiundzwanzig, die vermutlich sympathischste erwachsene schnapszahl, die wo gibt, wie mein papa so süß anmerkte...ich merke die müdigkeit, muss am alter liegen....

 
 

seit etwa 3 stunden ist es offiziell: ich habe ferien!!! eine ganze woche!!! die hab ich auch bitter nötig, glaube sie mir auch verdient zu haben, nach der ganzen arbeit.

letzte woche hab ich endlich mein referat über die deutsche sozialdemokratie zu ende halten dürfen. er hats gelobt! hey, immerhin....samstag habe ich meine erste klausur geschrieben....eine art mid-term klausur übeer meine eu-vorlesung mit pierre moscovici. die fragen waren sehr dankbar. von drei sollten wir zwei auswählen. ich habe mich für "le couple franco-allemand, peut-il encore entraîner l'UE derrière lui?" sowie "le traité de lisbonne - traité alternatif ou pâle copie du traité constitutionnel européen?" entschieden. konnte viel erzählen und hab das in den zwei stunden auch ganz gut geschafft. mal gucken was bei rumkommt....heute habe ich ein referat über die zusammenarbeit auf europäischer ebene von valéry giscard d'estaing und helmut schmidt gehalten. ganz gut gelaufen, wenn auch sehr improvisiert. einer aus dem seminar hat auf das blatt der lehrerin geschaut und meinte, er hätte gesehen, dass sie neben meinen namen eine 16 schrieb....das wär natürlich sehr cool....nach dem kurs kam sie noch auf mich zu und erzählte mir sie hätte die nacht von mir geträumt..hm...

heute nachmittag gabs dann noch einen kleinen test über die amerikanische verfassung sowie referate über die rolle der presse während der französischen revolution und den amerikanischen unabhängigkeitskrieg....sehr interessant. und jetzt sind endlich ferien!!!! morgen früh kommt sterni. ich hol ihn ab und dann zeig ich ihm paris. am mittwoch geben er und meine mama sich quasi die klinke in die hand, da er wieder nach berlin zurück fliegt und sie mich hier beehrt. und am montag danach hab ich endlich geburtstag. gefeiert wird in einer kleinen crêperie, welche von den cousins einer freundin gehalten wird. wenn alles so klappt wie ich mir das vorstelle, haben wir die crêperie für uns allein. ich freu mich sehr....

 
 

ich war ja schon schockiert, dass gruppen wie tokio hotel und die killerpilze die mädels hier reihenweise in hysterie verfallen lassen. und dass große geschäfte wie die fnac dafür werbung machen und besagte gruppen im fernsehen auftreten. ich weiß, dass deutschland exportweltmeister ist, aber ich dachte immer, dass würde sich vor allem auf "unsere" autos beziehen....wie dem auch sei, neben deutscher musik laufen hier auch massenhaft deutsche fernsehserien jedweder couleur: derrick, kommissar rex, alarm für cobra 11, ein fall für zwei, alles außer sex, alles was zählt und sogar verliebt in berlin!!! und dass nicht etwa auf arte oder so, was man ja verstehen würde sondern auf allen anderen sendern....

mein wochenende war ansonsten nicht so wahnsinnig aufregend und ich verbrachte es vor allem damit mich von freitag abend zu erholen. da war ja diner de conference. wir waren italienisch essen, mal wieder im vesuvio. es war ausgesprochen nett. das inoffizielle ziel dieses abends war es den prof betrunken zu machen und ich glaube, dass ist uns auch zumindest ansatzweise gelungen. der wein war vorzüglich und der prof, welcher neben mir saß und ein sehr netter gesprächspartner war, füllte mein glas nahezu ununterbrochen...anschließend sind wir noch in einen irischen pub weiter gezogen, wo es gutes bier zu erschwinglichen preisen gab. das gespräch dort war auch sehr nett. einer aus meinem seminar verbringt sein auslandsjahr in koblenz und wir tauschten uns in einem deutsch-französischen kauderwelsch über deutschland und frankreich aus. und er hat mir versprochen mir das preisgünstige paris zu zeigen. ich bin sehr gespannt. des weiteren habe ich noch jemandem vom bureau des eleves getroffen, welcher eine reise nach berlin im mai organisiert und mich gefragt hat, ob ich ihm nicht nen paar tips geben könne. wir treffen uns morgen und ich hoffe, ihm weiter helfen zu können.

gegen halb eins zog ein teil des seminars noch in einen anderen pub weiter, aber ich fuhr nach hause. ich war zwar angeheitert, aber weit weg vom betrunken sein. hab mich trotzdem noch nie so verkatert und kraftlos gefühlt wie das restliche wochenende. nicht einmal kaffee und aspirin konnten etwas ausrichten. also habe ich vor allem viel geschlafen und sonst nichts gemacht. so muss ich also jetzt noch meinen französisch aufsatz für morgen schreiben. drei seiten darüber ob politisches engagement heute noch sinn macht...